Dr. Josef Wagast

Wagast war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der burgenländischen Politik in der Ersten Republik. Er entstammte einer Eisenstädter Familie, sein Vater war in Eisenstadt-Oberberg Spitalsverwalter. Er erhielt seine Ausbildung am Benediktinergymnasium in Ödenburg und in Raab, wo er Theologie studierte. 1903 wurde er zum Priester geweiht. Er war Religionslehrer in Raab, Kaplan in Eisenstadt und Lehrer für Religion und Deutsch an der Militäroberrealschule in Ödenburg. 1914 trat er aus dem Priesterstand aus. In Budapest wurde er Polizist und studierte nebenbei Staatswissenschaften. Dieses Studium schloss er mit dem Doktorat ab. Schon während des Studiums schloss er sich linksradikalen Kreisen an. 1918 wurde er Hauptmann der Staatspolizei. Unter Béla Kun soll er vorübergehend sogar Stadtkommandant von Budapest gewesen sein. In der Horthy-Zeit wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, doch gelang ihm die Flucht nach Österreich. Er bekam eine Anstellung als Schreiber in einer Wöllersdorfer Fabrik.

Wagast trat in Verbindung zur burgenländischen Sozialdemokratie. Schon 1921 wurde er Mitglied der Landesparteileitung, 1922 Abgeordneter im Landtag und sogar dritter Landtagspräsident. Die Partei verhalf ihm, nachdem er bei der Wahl 1923 kein weiteres Mandat bekommen konnte, zum Posten eines Magistratsdirektors von Eisenstadt. Auf diesem Posten wurde er schwer angefeindet, vor allem nachdem er 1925 aus der katholischen Kirche austrat. Sein Kirchenaustritt hinderte ihn allerdings nicht daran, 1933 Mitglied der Vaterländischen Front zu werden. Von den Nationalsozialisten wurde Wagast 1938 verhaftet, seinen Posten als Magistratsdirektor verlor er. Er schloss sich der Kommunistischen Partei an und wurde erneut Magistratsdirektor bis kurz vor seinem Tod.

Daten

* 12.03.1881 in Eisenstadt
† 14.05.1946 in Eisenstadt

Politiker der Ersten Republik


Verwendete Literatur

  • Schlag, Gerald: Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. S. 333.

  • Unger, Günter: Die Christlichsoziale Partei im Burgenland. Burgenländische Forschungen, Heft 49, S. 44.