Géza Zsombor
Deutschungarischer Politiker, Führer der bürgerlich-radikalen Partei in Ödenburg, Vorsitzender des Deutschen Volksrates für Westungarn und Präsident des autonomen Gaues Deutschwestungarn.
Zsombor war von Beruf Friseur. Er war ein hervorragender Redner und Herausgeber der einflussreichen Ödenburger Rundschau. Seine Rolle in der Autonomiebewegung und im Anschlussgeschehen ist umstritten.
Zsombor schloss sich den bürgerlichen Radikalen an, die in Gesamtungarn unter Oscar Jászi eine eher bescheidene Rolle spielten, in Ödenburg und in den Stadtdörfern aber zahlreiche Anhänger hatten. Sie standen in Opposition zu den konservativen Christlichsozialen. Sie traten für die deutsche Muttersprache, für eine Bodenreform und vor allem für ein allgemeines Wahlrecht ein. Anders als die Christlichsozialen waren sie keine Judenfeinde. Zsombor war gebürtiger Magyare, fühlte sich aber offenbar der deutschen Volksgruppe zugehörig. Es wird vermutet, dass dazu seine Heirat mit Paula Windisch, deren Mutter eine geborene Tschürtz war, beitrug.
1895 gründete Zsombor die „Ödenburger Rundschau“, die ab 1900 unter dem Titel „Radikal“ erschien und 1913 in „Grenzpost“ umbenannt wurde.
Zsombor verstand es geschickt, in der Anschlussfrage zwischen den beiden Lagern zu lavieren. In einem „Geheimbrief“ an Adalbert Wolf wird Zsombor als „kleiner Gauner“ bezeichnet, den man aber nicht zum Gegner machen sollte. Man habe mit ihm eine Vereinbarung getroffen, dass er den Österreichern „in die Hände spielen wird“. Man dürfe ihm aber nicht trauen. Wenig schmeichelhaft ist die Beschreibung durch Joseph Roth, der im Sommer 1919 für die Zeitung „Der neue Tag“ das „Heanzenland“ bereiste. „Der Obmann des Deutschen Gaues residierte in Ödenburg. Er hieß Géza Zsombor und gab sich für einen Deutschen aus. Er paktierte mit den Anschlussfreunden, verriet diese bei der Räteregierung und es gelang ihm, nach Paris zur Friedenskonferenz zu kommen, wo er bald den Anschluss betrieb, bald zu verhindern suchte. Géza Zsombor wohnt jetzt in Wien und wartet auf weitere Konjunkturen.“
Auf Grund des Gesetzes vom 27.01.1919 wurde Zsombor Gouverneur für Westungarn, am 27.03.1919 Gau-Präsident für Deutschwestungarn. Er residierte im Palais Széchenyi, das nunmehr „Deutsches Haus“ genannt wurde.
Der Vorwurf, die Anschlussfreunde verraten zu haben, war insofern höchst ungerecht, als Zsombor selbst nach den Protesten der Ödenburger gegen die Räteherrschaft, die vier Menschen das Leben kosteten, vorübergehend verhaftet wurde.
Unter Nationalitätenminister Jászi wurde Zsombor Regierungskommissär und gründete am 10.11.1918 den „Deutschen Volksrat für Westungarn“. Am 22.12.1918 rief er die Autonomie für Westungarn aus, unter Wahrung der vollen Integrität Ungarns.
Bei den Nationalratswahlen von 1920 stimmten 34 % für Zsombor. Gewählt wurde Klebelsberg.

