Johann Ebenspanger

Sollte nach dem Willen seines Vaters das Schneiderhandwerk lernen. Pfarrer Andreas Gruber und Senior Matthias Kirchknopf bewogen den Vater jedoch, ihn studieren zu lassen. Er besuchte die Volksschule in Kukmirn und Körmend und 1859 bis 1863 das Lehrerseminar in Oberschützen. 1863/64 war er Hilfslehrer in Raabfidisch, 1864/65 Erzieher in Szemes, 1865 bis 1867 an der ungarisch-deutschen Volksschule in Lugos und dann bis 1870 an der deutschen Volksschule in Liebling (Komitat Temes).

1872 wurde Ebenspanger vom Minister für Kultur und Unterricht nach Deutschland geschickt, um das dortige Schulwesen zu studieren. Er besuchte viele Schulen in Sachsen und Seminare in Dresden, Weißenfels und Gotha. 1873 bis 1877 war er Sekretär im Schulinspektorat in Temesvár. Ab 1877 war er Professor in Oberschützen und dann ab 1888 der Direktor. Er leitete in Steinamanger und in Raab ungarische Sprachkurse. Er schrieb Gedichte in ungarischer und deutscher Sprache. 1902/03 verunglückte er durch einen Sturz von der Bibliotheksleiter. 

Wichtig war Ebenspanger auch als Literaturhistoriker, Volkskundler und Dichter, als Mundart- und Brauchtumsforscher. In einem Beitrag zu Nagl-Zeidlers Deutsch-Österreichischer Literaturgeschichte legte er erstmals einen Überblick über das literarische Schaffen des deutschen Westungarns vor. Er war Mitarbeiter am vom Buchdrucker Ludwig Schodisch gegründeten „Oberwarter Volkskalender“. 1897 wurden seine Mundartgedichte „Heanzische Verschln“ gedruckt. Ein Büchlein, das die Welt des Dorfes signalisierte, weil sie in dieser inneren Emigration in die Enge der dörflichen Gemeinschaft die einzige Möglichkeit des Überlebens und der Erhaltung und Profilierung des Eigenen sah. Es war eine Flucht aus nationaler Bedrohung in eine heil und intakt gebliebene Gemeinschaft, und es war das Bemühen, diese heile Welt auch im Ansturm des Fremden und nationalen Umbruchs heil zu erhalten. Die Mundartdichtung erfüllte in diesem geistigen Abwehrprozess eine wichtige Funktion, und Johannes Ebenspanger war einer der ersten, der diese neue Aufgabe der Literatur erkannte. Er bereitete damit jene Bewegung vor, die zu Josef Reichl, Robert Zipser und nicht zuletzt zu Mida Huber, Johann Neubauer und den Vertretern der Mundartdichter von heute führte (BF vom 18. Jänner 1978). 

Daten

* 03.05.1835 in Kukmirn
† 24.01.1903 in Oberschützen
Lehrer, Sekretär im Schulinspektorat, Professor


Verwendete Literatur

  • Probst, Franz: Johannes Ebenspanger zum Gedenken. Volk und Heimat 1978/79. Heft 1.