Ursula Kanizsai

Ursula Kanizsai

Ursula Kanizsai war die letzte Angehörige und Erbtochter des mächtigen Adelsgeschlechts der Kanizsai. Durch ihre Heirat mit Thomas Nádasdy ging der Besitz der Kanizsai an die Nádasdy über. Ursula Kanizsai war eine gebildete Frau und begeisterte Anhängerin der Reformation.  

Ihr Vater war Ladislaus Kanizsai, Obergespan des Komitates Eisenburg und Landesrichter. Er verstarb 1525. Drei Jahre später starb auch ihre Mutter Anna Drágffy. Ursula hatte einen Bruder Franz (1524–1532) und eine Schwester Magdalena (1525–1527). Beide Geschwister starben in jungen Jahren. Ursulas Vormünder wurden Paul Várday, der Erzbischof von Gran, der Bischof von Erlau und der Landesrichter Alexius Thurzó sowie Franz Batthyány, Ban von Kroatien-Slawonien. Bis 1531 übernahm ihre Tante Dorothea Kanizsai die Vormundschaft. Nach dem Tod ihres Bruders Franz wurde die elfjährige Ursula Alleinerbin des riesigen Vermögens – Kanizsa, Kotenburg (Sárvár, auch Rotenturm an der Raab), Kapuvár, Lockenhaus, Egervár, Csókakő, die Märkte Tschapring/Csepreg und Deutschkreutz, drei weitere Burgen südlich der Drau. Dazu kamen die Besitzungen der Dorothea Kanizsai, Witwe des ehemaligen Palatins Emmerich Perényi.  

1532 erfolgte die Verlobung von Ursula Kanizsai mit Thomas Nádasdy, vermittelt wahrscheinlich vom Landesrichter Alexius Thurzó. Thomas Nádasdy war von bescheidener Herkunft. Sein Vater war Franz Nádasdy, Burgvogt von Kanizsa, also ein Familiares der Kanizsai. Er studierte in Graz, dann in Wien und Bologna und schließlich mehrere Jahre Philosophie und Rechtswissenschaft in Rom, wo er die Kultur der italienischen Renaissance kennenlernte. 1524 kehrte er im Alter von 26 Jahren im Gefolge des päpstlichen Legaten Erzbischof Tomaso Cajetan de Vio nach Ungarn zurück. Er wurde Sekretär von König Ludwig II. Nach dessen Tod in der Schlacht von Mohács wurde er von Ferdinand I. zum Kapitän von Buda ernannt. 1529 wurde er von den Osmanen gefangen genommen und an Johann Zápolya ausgeliefert. 1534 schloss er sich wieder Ferdinand an und machte in seinem Dienst eine erstaunliche Karriere. – 1536 königlicher Rat und Schatzmeister, 1537 kroatisch-slawonischer Ban und Obergespan von Eisenburg, 1542 Landesrichter und oberster Landeshauptmann. 1553 bekam er den Rang eines Freiherrn und wurde 1554 Palatin. Thomas Nádasdy war ein hervorragender Politiker und Diplomat, aber auch erfolgreicher Heerführer im Krieg gegen die Osmanen.  

Damit Ursula Kanizsai nicht nur das Tochterviertel, sondern die gesamte Erbschaft übernehmen konnte, musste sie „zum Sohn promoviert“ werden. 1532 stellte Zápolya die betreffende Urkunde aus und 1533 erfolgte die Einsetzung von Ursula und Thomas in die Kanizsai-Besitzungen. Mit Zustimmung Zápolyas wandte sich Thomas aber auch an Ferdinand I., der 1534 ebenfalls die Präfektion von Ursula durchführte.  

1534/1535 fand die Vermählung statt. Ursula war zu dieser Zeit 14 Jahre alt, Thomas Nádasdy 36 Jahre. Die arrangierte Verbindung erwies sich als Liebesheirat, mit gegenseitigem Respekt der beiden voreinander. Für einige Zeit lebten sie in Kanizsa, bauten aber in Kotenburg/Sárvár ein neues Herrschaftszentrum im Stil der Spätrenaissance.

Die Sümpfe und Auen der Flüsse Raab und Güns wurden trockengelegt, Fischteiche, Wildgehege und Gärten angelegt. In den Gärten betätigte sich Ursula als Pflanzenzüchterin. Vor allem ihr Obst war berühmt.  

Sárvár/Kotenburg wurde zu einem geistigen Zentrum. Die beiden überzeugten Protestanten Thomas und Ursula zogen mehrere bedeutende Persönlichkeiten an ihren Hof, etwa Mathias Dévai Bíró und Johann Sylvester, den Verfasser einer Grammatik der ungarischen Sprache. Sylvester übersetzte das Neue Testament ins Ungarische und gründete eine Buchdruckerei. Sebastian Tinódi Lantos verbrachte mehrere Jahre am Hof in Sárvár. Ursula eignete sich eine umfassende Bildung an. Sie verfasste sehr persönliche und bemerkenswerte Briefe an ihren Gemahl. Sie erwies sich als kluge und tatkräftige Frau und verwaltete die Residenz und den Besitz, zumal Nádasdy häufig abwesend war, im Heerlager, beim Reichstag in Pressburg oder beim König in Wien. Sogar die Verteidigung der Burg und der Grenzfestungen wurde ihr anvertraut. Ursula Kanizsai war auch karitativ tätig. Sie ließ Mädchen und Jungen an ihrem Hof erziehen, nahm sich der fünf Waisenkinder ihres Schwagers Martin Nádasdy an. Sie unterstützte die Schulen in Sárvár und Csepreg und Studenten, die im Ausland studierten.  

Ihre Ehe war lange Zeit kinderlos. Sie wurde vom Arzt Caspar Fraxinus aus Szeged behandelt. Erst 1555, nach zwanzigjähriger Ehe, gebar sie einen Sohn Franz. 1562 starb Thomas Nádasdy. Ursula verwaltete bis zu ihrem Tod 1571 die Güter der Familie. Der Sohn besuchte die Schule in Wien und wurde am kaiserlichen Hof eingeführt. Ursula wählte für ihn die Ehefrau – Elisabeth Báthory. Franz Nádasdy wurde als „Schwarzer Beg“ ein gefürchteter Türkenkämpfer.    

Daten

* 1521
† 1571 in Sárvár  


Verwendete Literatur

  • Varga, János J.: Die letzte Kanizsai. Frau Thomas Nádasdy, geborene Ursula Kanizsai. In: Die Kanizsai und ihre Zeit. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 163. Eisenstadt 2019  
  • Deák, Ernő: Die Korrespondenz zwischen Thomas Nádasdy und Ursula Kanizsai. In: Die Kanizsai und ihre Zeit. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 163. Eisenstadt 2019