Pamhagen
Ortsname
Nach Kranzmayer/Bürger ist der Ortsname altslawischen Ursprungs: Pomedje = Gegend an der Grenze.
Urgeschichte
1938 wurden Bruchstücke einer jungsteinzeitlichen Lochaxt gefunden. Aus der La Tène-Zeit stammt das Mundstück einer Pferdetrense aus Bronze, ein Körpergrab mit einer Schere als Grabbeigabe. 1975 wurde auf einer Bodenschwelle nördlich der Bahnlinie eine Grabung durch das Landesmuseum durchgeführt. Sie erbrachte neolithische, bronzezeitliche und römerzeitliche Funde. Aus spätrömischer Zeit wurden 1966 vier Körpergräber freigelegt. In der Römerzeit führte eine Nebenstraße über Pamhagen. Während des Baues an einer Erdgasleitung im Jahre 2007 fanden archäologische Untersuchungen statt. Gefunden wurden mehrere Siedlungsobjekte (Häuser, Speichergruben) der frühen Bronzezeit und der Randbereich einer villa rustica aus der Römerzeit.
Mittelalter
Der Ort wird 1268 in einer Schenkungsurkunde Belas IV. als Pomog erstmals urkundlich erwähnt. 3,5 km nördlich der Ortsmitte befindet sich ein künstlich aufgeschütteter Hügel mit der Bezeichnung „Burg“. Schon 1893 von Ludwig Bella durchgeführte Grabungen haben aber keine Mauerreste zu Tage gebracht. Schadn stufte die Wehranlage in das Spätmittelalter ein. Eine Karte aus dem Jahre 1832 zeigt die „Burg Schantz“ – ein quadratisches Bauwerk mit vier Eckrisaliten und einen Innenhof. Es ist wahrscheinlich, dass das Mauerwerk erst nach 1795 errichtet wurde und vermutlich ein herrschaftliches Wirtschaftsgebäude war. Das Gebäude wurde anscheinend zwischen 1833 und 1852 zerstört.
In und um Pamhagen bestanden mehrere Dörfer, die später wüst fielen. Micheldorf ist wahrscheinlich identisch mit Loblo. Es lag auf einer flachen Bodenschwelle zwischen Lobler- und Dorfsee östlich von Pamhagen und Wallern (Ried Burgstall). Götsch (Keych, Kötsch, Ke(j)es) wurde erstmals 1262 erwähnt, in einer Urkunde König Karls I. für die Edlen Nikolaus und Mika de Keych. Das Dorf lag westlich von Apetlon und nordwestlich von Pamhagen. 1362 wurde der Ort letztmals genannt. Zwischen Pamhagen und Sarrod lag das Gut Posatelek.
Pamhagen gehörte um die Mitte des 14. Jahrhunderts bereits zur Grafschaft Forchtenstein. Die Schenkungsurkunde König Karls stammt aus dem Jahre 1320- In diesem Jahr entzog der König den Edlen von Biky wegen wiederholter Untreue – sie waren an den Aufständen gegen den Anjou beteiligt – den Ort Pomogy und gab ihn an die Mattersdorfer Grafen Paul, Andreas, Lorenz und Nikolaus. 1431 bis 1436 scheinen die Grafen von Forchtenstein als Besitzer von Pomäken auf. 1433 bestätigte König Sigismund, dass der Ort „Pomagh iuxta lacum seu fluvium Ferthew“ ausschließlich der Linie Pauls von Forchtenstein gehörte und nicht geteilt werden durfte Nach dem Tod Pauls III, 1437 erbte seine Witwe Anna aus dem Geschlecht der Pottendorfer die Güter. 1441 vermachte Wilhelm Forchtenstein den Habsburgern. Zum Heiratsgut von Wilhelms Tochter gehörte auch Pamhagen. In der Folgezeit dürften die Besitzer häufig gewechselt haben.
Neuzeit
Ungeklärt ist, ob die Nadasdy nur Besitzungen in der Nähe hatten oder ob auch der Ort Pamhagen in ihrem Besitz war. Im Forchtensteiner Urbar von 1569 ist Pamhagen jedenfalls nicht verzeichnet. Zur Rücklöse der Pfandherrschaft durch die niederösterreichische Kammer 1572 trug Pamhagen jedenfalls mit 400 Gulden bei. Das Versprechen, die beiden Herrschaften nicht wieder zu verkaufen, wurde bekanntermaßen nicht eingehalten. Schon 1620 verpfändete Kaiser Ferdinand II. die vier Dörfer Pamhagen, Wallern, Illmitz und Apetlon auf 8 Jahre an Emmerich Zober (Csobor) Das Pfandgeld wurde für die Versorgung der Festungen Raab und Komorn benötigt. 1622 erfolgte die Verpfändung und 1626 der Verkauf der beiden Herrschaften an Nikolaus Esterhazy. Seither war Pamhagen im Besitz der Esterhazy und gehörte zur Herrschaft Forchtenstein.
Unter der Pfandherrschaft der Weispriach und später unter den Verwaltern der kaiserlichen Kammergüter wurden Pamhagen und die Nachbarorte evangelisch. Es sind mehrere evangelische Pfarrer nachweisbar: 1565 ein Daniel Kämpf, 1646 Magister Marin Neubauer, früher Hofprediger bei Eva Poppel-Lobkovits in Neuhaus am Klausenbach, Melchior Christoph Zoana stammte aus einer vornehmen Ödenburger Familie, studierte in Breslau und Wittenberg und wurde 1651 für die Pfarre Pamhagen ordiniert. Er blieb nur ein Jahr, da ihn die Stadt Ödenburg nach Wolfs berief. Der evangelische Bischof Musey visitierte 1652 Pamhagen und die Einwohner zeigten sich sehr zufrieden mit Zoana und hätten ihn gerne als Pfarrer behalten. Auch er wäre gerne in Pamhagen geblieben. Anlässlich der Visitation wurde Wolfgang Matthäus Müller, der Sohn des Seniors Matthias Müllner, als sein Nachfolger eingesetzt. Alle Einwohner mit Ausnahme eines katholischen Fleischhackers und einiger armer Knechte werden als evangelisch bezeichnet. In Wallern war die Situation ähnlich. 1656 bis 1660 war Anton Schubert Pfarrer von Pamhagen und Wallern. Er musste schließlich auf den Druck Esterhazys und der Jesuiten weichen. Pamhagen war jedenfalls für lange Zeit eine bedeutende evangelische Gemeinde und die Rekatholisierung dürfte nicht ganz problemlos verlaufen sein. 1696 werden im Ort und in Wallern aber nur mehr Katholiken verzeichnet. Aber noch 1735 werden die 1019 Bewohner von Pamhagen als „neue Katholiken“ bezeichnet.
1683 wurde der Ort von türkischen Streifscharen geplündert. Der „Türkenturm“, ein Glockenturm im Dorf, wurde aber mit Sicherheit nicht damals erbaut, wie die Legende berichtet, sondern schon 1639. In der Kuruzzenzeit wurden wurden zur Abwehr zwischen Leiden (Lébény) und Pamhagen Schanzen aufgeworfen. Angeblich nisteten sich in der „Pamhagener Burg“ Kuruzzen ein. Nicht nur durch sie, auch durch die kaiserlichen Truppen litten die Dörfer schwer. 1812 requirierten die Franzosen Vieh und Getreide.1779 wird erstmals eine Salpetersiederei erwähnt. Sie gehörte zusammen mit den Saliterhöfen von Jois und Neusiedl zu den größten der Region.
Schon im 18. Jahrhundert ließen die Esterhazy eine Dammstraße durch den Waasen zwischen Fertöd und Pamhagen errichten. Sie wurde durch eine neue Dammstraße ersetzt, für die allerdings eine Maut bezahlt werden musste.1872 bekam Pamhagen das Recht auf zwei Märkte, den Faschingsmarkt und den Kirtagsmarkt. 1872 brannten 128 Häuser und 98 Scheunen nieder. 9 Personen kamen bei diesem Großbrand ums Leben. Wirtschaftlich waren neben dem Ackerbau vor allem die Viehzucht und die Heuwirtschaft wichtig. Auch der Fischfang spielte eine wichtige Rolle. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Pamhagen noch keinen Weinbau. 1878 waren bereits 74 Katastraljoch ausgesetzt. Aber schon 1890 mussten im Gefolge der Reblauskrise wieder alle Weinstöcke ausgehackt werden. Ein großes Problem war für das Dorf immer der Bau- und Brennholzmangel. Geheizt wurde auch mit Schilf. In Pamhagen stand ein Jagd- und Fischerhaus der Esterhazy. Kronprinz Rudolf war wiederholt zur Jagd anwesend.
Die Grundablöse war mit der Abtrennung des Esterházybesitzes verbunden. Große Flächen entlang des Sees und im Hansag wurden von der ehemaligen Grundherrschaft in Anspruch genommen – die Schafstrift, als Schafweide genutzte etwa 200 Katastraljoch. Diese Gründe wurden entwässert und zunächst an fünf Pächter übergeben, die jeder einen Meierhof errichteten. Einer nannte seinen Hof „Mexico“. In den 1970er Jahren und besonders 1883 und 1884 kam es jedoch zu großen Überschwemmungen, vor allem auf den Seeufergründen. Die Pächter kündigten ihre Verträge. Ein Generalpächter der fürstlich esterházyschen Güter übernahm die Pacht, ließ den Meierhof Mexico-Puszta vergrößern, die anderen Meierhöfe wurden abgerissen. Fürst Nikolaus Esterhazy übernahm die Bewirtschaftung, Der Hof wurde großzügig ausgebaut, 22 Bauobjekte wurden errichtet, darunter auch eine Schule und eine Kirche. Die Wohnsituation der etwa 300 Arbeiterfamilien verbesserte sich erheblich. Sie durften auch eine kleine Eigenwirtschaft betreiben. 1908 waren auf Mexiko-Puszta ein Dampfpflug und 30 Paar Ochsen im Einsatz. Der Viehbestand war groß. Von den Fruchtspeichern führte ein Schleppgeleise zur Verladestation Mexiko – Puszta. Die Bewohner des Gutshofes waren nahezu ausschließlich Madjaren. Der fürstliche Besitz wurde 1923 parzelliert und verpachtet. Auch die Bauern, die „Urbarialgemeinde“, verfügte über Lacken, Rohrungen, Wiesen und etwas Wald als gemeinsamen ungeteilten Besitz von etwa 700 ha. 1954 bis 1958 wurde ein Teil parzelliert (Hutweide, Fischplatz, Druschplatz) und zumeist in Ackerland umgewandelt. Der letzte Urbarialbesitz wurde 1972 an die Salzburger Siedlungsgenossenschaft (Feriendorf Pannonia), an den Besitzer des Steppentierparks und an einige Bauern verkauft.
Die Umgangssprache und auch die Unterrichtssprache in der Volksschule war deutsch. Der Magyarisierungsversuch setzte erst um die Jahrhundertwende ein. Die Gemeindeschule wurde in eine Staatsvolksschule umgewandelt, Pfarrer und Lehrer ließen ihre Familiennamen madjarisieren. Während des Ersten Weltkrieges leistete das Dorf erfolgreich Widerstand gegen einen Priester, der kaum Deutsch verstand.
Die Neusiedlersee-Bahn („Puszta- Express“)
1892 begannen die Vorarbeiten zu einer Bahnlinie Esterhaza – Frauenkirchen – Neusiedl. Ein wichtiges Anliegen war dabei der Transport der Zuckerrüben in die Fabrik von Petöhaza. Der Anwalt Dr. Adolf Silberstein gewann die Aktionäre der Zuckerfabrik und die Getreidehändler von Kis-Czell für das Projekt. Interessiert waren auch Unternehmer aus Kapuvár, etwa der Großpächter Gustav Berger. 1895 wurde der frühere Obergespan des Komitates Vas, Koloman Rado, Gutsbesitzer in Repcelak, als Repräsentant berufen. 1896 wurde dann der Bau der „Neusiedlersee – Lokalbahn“ genehmigt und das Projekt von der GySEV (Raaberbahn) übernommen. 1896 erfolgte der Spatenstich in Esterhaza. Bis 1897 wurde die Strecke gebaut. Es kam dabei zu einem Konflikt zwischen Erdarbeitern der Bahn aus der Tiefebene und einheimischen Arbeitern, die schlechter bezahlt wurden. Am 18. Dezember 1897 erfolgte die feierliche Eröffnung der Strecke. Wichtigstes Transportgut war die Zuckerrübe. Von den Esterházyschen Meierhöfen zu den Verladestationen wurden Schmalspurbahnen angelegt. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges musste der Verkehr eingestellt werden. Erste Versuche der Österreicher, die Bahnlinie in Besitz zu nehmen, scheiterten. Die GySEV übernahm wieder den Betrieb. Nach dem Anschluss an Österreich übernahmen die Bundesbahn die Strecke bis zur Staatsgrenze. 1923 genehmigte dann die österreichische Regierung den Betrieb von der Staatsgrenze bis Neusiedl als „Neusiedlerseebahn“ und garantierte den Betrieb bis 1986 als Privatbahn. Ab 1928 verkehrten zwischen Esterhaza und Neusiedl bzw. Parndorf. Während des Zweiten Weltkrieges gab es unter den Streckenarbeitern wachsenden Widerstand gegen das NS-Regime. Unter den Streckenarbeitern befanden sich Personen, die schon in der Rätezeit politisch aktiv waren. Im Sommer 1943 wurden vier Streckenarbeiter verhaftet, einer von ihnen wurde hingerichtet. Ein weiterer konnte nach Ungarn fliehen. Gegen Kriegsende wurden weite Streckenabschnitte durch Munitionsexplosionen und durch Sprengungen zerstört, ebenso zahlreiche Brücken. Erst nach Instandsetzungsarbeiten eröffneten die Österr. Bundesbahnen zwischen Pamhagen und Neusiedl wieder den Verkehr. Die Grenze wurde zunächst nicht geöffnet. Erst 1947 erlaubte die sowjetische Besatzungsmacht den durchgehenden Betrieb durch die GySEV. 1955 stellten die ungarischen Behörden den Personenverkehr über die Grenze wieder ein, eine Grenzsperre wurde errichtet. Erst 1963 durften Eisenbahnfreunde einen Zug wieder rund um den See führen. Der „Puszta- Express“ mit Dampflokomotiven wurde zur Fremdenverkehrsattraktion. 1979 wurde ein ungarischer Streckenabschnitt abgebaut, der österreichische Streckenabschnitt wurde modernisiert. Ab 2003 wurde die Strecke elektrifiziert. Die Neusiedlersee- Bahn entwickelte sich zu einem wichtigen Transportmittel für die vielen Pendler aus dem Seewinkel. Aber auch der Güterverkehr war weiter wichtig, etwa für überschüssiges Stroh oder für Zuckerrüben von Frauenkirchen nach Siegendorf und später Tulln.
Wirtschaft
Im Urbar von 1657 wurden 117 Lehen vermerkt, davon 34 ganze, 55 halbe und 10 Viertellehen. Dazu kamen 13 Kleinhäusler, Pfarrhaus, Schulhaus, Schmiede, Wirtshaus und ein Halterhaus. Pamhagen gehörte damals noch zur Herrschaft Forchtenstein, wurde aber von Eisenstadt aus verwaltet. Die Robot war am Meierhof in Frauenkirchen zu leisten. Zur Zeit der Grundablöse 1862 gab es 135 Bauern und 80 „Holden“, darunter 24 Söllner, 16 Kurialisten und 40 echte Holden. Der Huldengrund befand sich südöstlich des Dorfes. Die Holden hatten zwei ständige Vertreter in der Gemeindestube. Sie mussten für Zuchtstiere und Zuchteber sorgen.
Der Fischfang spielte in Pamhagen immer eine wichtige Rolle. Die Zillen der Fischer starteten vom „Uferspitz“ aus. Die Fische wurden in Fässer gefüllt und auf den Wiener Fischmarkt gebracht. Vor 100 Jahren war die Wasserfläche noch größer als das Ackerland. In früherer Zeit waren die Viehzucht und die Heuwirtschaft weit wichtiger als der Ackerbau. Das Heu wurde mit Pferdefuhrwerken nach Wien gebracht und verkauft. Die Viehhaltung war aber auch im Dorf bedeutend. Nach dem Anschluss an Österreich erlebte die Pferdezucht einen Aufschwung. Erst mit der Trockenlegung weiter Flächen am Rande des Waasens nahm die Ackerfläche stark zu. 1906 wurden die großen Kanalisationsarbeiten abgeschlossen und mit dem „untern Hotter“ eine große Ackerfläche gewonnen. Bis 1920 gab es aber noch 10 Lacken. 1931 bis 1934 wurden die Lacken durch einen Kanal verbunden und zum Einser-Kanal hin entwässert, die gewonnen Äcker auf die Urbarialisten aufgeteilt. Über den Einser-Kanal gab es 6 Brücken. Der Getreideanbau wurde immer wichtiger. Es entstand ein riesiger Druschplatz mit vier Druschgarnituren, getrieben von einem Dampf-Lokomobil bzw. Benzinmotoren. Auch der Zuckerrübenanbau wurde immer wichtiger. Die Rüben wurden nach Petöhaza, später nach Hirm, Siegendorf und schließlich nach Tulln geliefert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Hanf angebaut (Hanfsamenfabrik in Wallern) Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Feldgemüseanbau an Bedeutung (Erbsen, Schnittbohnen, Hurken, Paradeiser, Möhren, Häupelsalat. 1953 war das Dorf noch stark bäuerlich geprägt. Es gab 1997 ha Ackerland, über 400 ha Wiesen und 465 ha Hutweide. Bis 1953 wurden 98 ha Hutweide aufgeforstet.
Weinbau gab es schon früher Die Rebstöcke wurden aber in der Reblauskrise vernichtet, konnte dann aber wieder aufleben und gewann große Bedeutung für das Dorf. 1953 gab es bereits wieder 51 ha Weingärten.
Eine wichtige Rolle spielte seit Beginn des 19. Jahrhunderts die Milchwirtschaft. Die Einnahmen aus dem Milchverkauf waren oft die einzige Geldquelle der Bauern. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde eine Milchgenossenschaft gegründet. Sie erzeugte zunächst bis 1922 Käse und ging dann zur Fischmilcherzeugung über. Die Milch wurde von einer Wiener Molkerei abgenommen. Kühlanlage, später Milchreiniger und Pasteurisieranlage wurden installiert. Die Milchgenossenschaft betrieb auch eine Kreissäge, eine Saatgutbeizanlage, eine Kartoffeldämpferei und eine Schrotmühle. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte sich die Genossenschaft um den Ankauf von Bedarfsartikel und Kraftfutter. 1926 lieferten die Pamhagener Milchbauern fast 800 000 Jahresliter, im Gefolge der Maul- und Klauenseuche sank die Anlieferung aber stark ab. Die Milchgenossenschaft trug auch viel zu Gemeinschaftsaufgaben bei, etwa zur Kirchenrenovierung und zur Kirchenvergrößerung. 1990 stellte die Genossenschaft, nachdem der Milchkuhbestand stark abgesunken war, den Betrieb ein. Heute gibt es keinen einzigen Großviehhalter im Dorf.
Ein großes Problem war schon im 19. Jahrhundert die große Abhängigkeit von den jüdischen Händlern aus Frauenkirchen, Bei ihnen waren viele Kleinbauern verschuldet. So wurde noch in ungarischer Zeit ein Konsumverein gegründet, der sich der „Hangya“ (Ameise) anschloss. Der Konsumverein führte die alltäglichen Bedarfsartikel, bald auch Wein, Bier, Rum usw. Die jüdischen Geschäfte wurden 1918 ausgeraubt. Erst 1921 kamen wieder einige nach Pamhagen zurück. Es entstanden aber auch christliche Geschäfte. 1923 erwarb der Konsumverein ein eigenes Lokal und betrieb zeitweise auch eine Trafik. 1938 wurde er aufgelöst, 1945 neu gegründet. 1964 wurde eine, 1995 die zweite Konsumfiliale geschlossen.
1909 wurde die Pamhagener Kreditgenossenschaft gegründet, 1924 ein Vorschusskassenverein, 1928 wurde ein Vereinshaus eröffnet. Aus dem Vorschusskassenverein wurde 1944 die Raiffeisenkasse Pamhagen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wegen zu geringer Eigenkapitalausstattung wurde sie in der Zeit des Wirtschaftaufschwunges bald ein sehr erfolgreiches Institut: 1961 wurde das Kassenlokal umgebaut, 1972 ein neues Kassenlokal und 1999 ein neues, repräsentatives Bankgebäude errichtet.
1930/31 regte der Landesverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften die Gründung einer Lagerhausgenossenschaft mit Sitz in Frauenkirchen an. Bald darauf entstanden Zweigstellen, u.a. auch in Pamhagen. Das Lagerhaus spielte bald eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft, aber auch darüber hinaus für die Versorgung der Bevölkerung.
1935 wurde ein Weinbauverein gegründet. 1948 wurde der Verein erneuert und gewann im Verlauf der Umstellung des Weinbaues von der Stock- auf Drahtkultur bald große Bedeutung. 2006 hatte er 105 Mitglieder mit 620 ha Weingärten. 1963 wurde die Winzergenossenschaft gegründet, damals mit 103 Mitgliedern. 1977 war die Mitgliederzahl auf 161 gestiegen, überwiegend aus Pamhagen, aber auch aus Wallern, St. Andrä und Illmitz. 1964 wurden Keller und Preßhaus gebaut, 1974 eine erste, 1978 eine weitere Halle. 1999 errichtete man einen neuen Lagerkeller. 2006 wurden 2,8 Millionen kg Trauben angeliefert. Die Genossenschaft wurde in Winzerkeller Seewinkel reg. GesmbH umbenannt. 2005 wurde eine zweite Genossenschaft mit der Bezeichnung „Weinhaus Seewinkel“ gegründet. Diese setzte erstmals eine Lesemaschine ein.
Der Feldgemüseanbau der Nachkriegszeit wurde von Folientunnel und später von Glashäusern abgelöst.
Das Handwerk und die gewerbliche Wirtschaft war unbedeutend und ging über den örtlichen Bedarf nicht hinaus. In der Nachkriegszeit gab es 2 Schneider, 5 Schuster, 4 Bäcker, 1 Fleischer, Tischler und Wagner und je 3 Schmiede und Schlosser. Dies gilt auch für den Handel. Nur der Handel mit Landesprodukten war mit 5 Betrieben stärker vertreten. Es gab 8 Marktfahrer.
Der Fremdenverkehr erlebte in Pamhagen mit der Errichtung der Hotel- und Ferienanlage Pannonia einen Aufschwung, Diese Anlage wurde 1981 eröffnet und umfasst ein Areal von 200 ha. Die Anlage gehörte zunächst zur Gruppe der Norika-Hotels der Eigenheim IMAG Salzburg. Nach guten Anfängen mit hohen Nächtigungszahlen kam es 1985 bei Ausbauarbeiten zu einem Brand, dem Hotel, Restaurant, Verwaltungsgebäude und einige Gästebungalows zum Opfer fielen. Erst 1988 stand die Anlage wieder im Vollbetrieb, Restaurant, Hallenbad, Fitnesszentrum und Thermalbad wurden neu gebaut, 1990 ging die Norika-Hotelgruppe in Konkurs, die Anlage wurde von der Pannonia-Grundstücksverwertung gekauft. Seit 1993 ist die Anlage im Besitz der Villa Vita Betriebs GesmbH, einer Hotelgruppe mit Sitz in Frankfurt. Es werden 33 Zimmer im Hotel und 127 Bungalows angeboten, dazu ein umfangreiches Freizeitangebot, etwa mit eigenem Reitstall.
Zeitgeschichte
Im Ersten Weltkrieg waren 19 Gefallene und 27 in Spitälern Verstorbene sowie 3 Vermisste zu beklagen. Zwei Pamhagener blieben freiwillig in Russland. In der Rätezeit wurde auch in Pamhagen ein Kommissar als Bürgermeister eingesetzt. Dies und der nochmalige Umsturz nach dem Ende der Räteherrschaft ging jedoch ohne wesentliche Veränderungen über die Bühne. Die großen Probleme begannen mit dem Streit um die Grenzziehung, Die Ungarn erhoben Anspruch auf den Ort. Der Gemeinderat trat in einer Eingabe an den Völkerbund für den Anschluss an Österreich ein. Zu Pamhagen gehörte aber der Gutshof Mexiko Puszta mit nahezu ausschließlich Madjaren als Bewohner. 1920 waren von den 2057 Einwohnern 1507 Deutsche und 548 Ungarn. Der genaue Grenzverlauf war insofern ein Problem, als sowohl Bauernbesitz wie der Großgrundbesitz beiderseits des Einser-Kanals lagen. Zwar rückten österreichische Gendarmen ein, die Beunruhigung blieb aber. Noch in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1922 kam es zu einem Feuergefecht, als ungarische Freischärler, als Landarbeiter getarnt in der Mexiko Puszta, gegen die österreichische Grenzwache vorgingen. Ein Gendarm wurde dabei getötet. Am 2. März 1922 kam eine alliierte Kommission in das Dorf, die sich vom Willen der Bevölkerung zum Anschluss an Österreich überzeugen ließ. Hilfreich war dabei, dass Bürgermeister Johann Fleischhacker, der in seiner Jugend in Amerika gewesen war, Englisch verstand. Die „Pamhagener Frage“ wurde am 19. September 1922 zugunsten Österreichs entschieden. Der „Mexiko-Spitz“ mit dem Gutshof blieb aber bei Ungarn. Kirchlich folgte die Abtrennung von Mexiko-Puszta erst 1960.
Die Zwischenkriegszeit war auch in Pamhagen eine Zeit der Not, der Arbeitslosigkeit und bald auch der politischen Auseinandersetzungen. 1926 war ein Katastrophenjahr. Die Maul- und Klauenseuche trat auf, es gab Hochwassergefahr. 1927 brannten 14 Häuser ab. 1929 wurde das große Zollhaus gebaut und 1932 begannen große Entwässerungsarbeiten. 180 Joch wurden trockengelegt und zu Ackerland. Der Nationalsozialismus fand Anhänger. Am 11. März 1038 organisierten sie einen großen Aufmarsch im Dorf. Pfarrer Joseph Lang, der sich in Wort und Schrift sehr stark gegen den Nationalsozialismus exponiert hatte, konnte noch rechtzeitig nach Ungarn fliehen. Später sollte es ihm auch dort, in der Zeit des Kommunismus, nicht gut gehen, Neuer Bürgermeister wurde Johann Graber, Ortsgruppenleiter war Josef Michlitsch und Ortsbauernführer Johann Gelbmann. Der Zweite Weltkrieg forderte auch in Pamhagen hohe Opfer: 89 Gefallene und 21 Vermisste. Vor allem die Frauen hatte eine schwere Arbeitslast zu tragen. In der Landwirtschaft waren auch viele Kriegsgefangene im Einsatz. Die Besetzung durch die Sowjetarmee war zwar kampflos, es kam aber zu den üblichen Plünderungen und Übergriffen. Am schwersten zu schaffen machte in den ersten Nachkriegsjahren der Brennholzmangel. Bis 1948 konnten die Felder jenseits der Grenze mit einem Grenzübertrittsschein noch bewirtschaftet werden, dann wurde der Eiserne Vorhang geschlossen. 200 Joch gingen verloren.
1948 wurde das Dorf an das Stromnetz angeschlossen. Mit Matthias Sandhofer kam ein neuer, tatkräftiger Pfarrer in den Ort. 1952 wurde der Pfarrhof renoviert. Und ab 1953 begann man mit der Erweiterung der Pfarrkirche. 1954 kam mit Dr. Konrad Egermann ein Arzt nach Pamhagen.
Während des Ungarnaufstandes war Pamhagen infolge seiner Lage direkt an der Grenze ein Brennpunkt des Geschehens. Spektakulär war ein Ereignis am 21. Jänner 1956. Ein ungarischer Pilot versuchte zu fliehen und wurde von einem sowjetischen Flugzeug verfolgt. Der Ungar rammte das Flugzeug des Verfolgers, Beide Flugzeuge stürzten ab. Der Ungar kam dabei ums Leben, der sowjetische Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten. Im Herbst 1956 kamen viele Flüchtlinge über den Einserkanal, zum Teil mit Hilfe der Pamhagener. Allein in der Nacht vom 16. Dezember waren es 1035 Personen. Insgesamt kamen etwa 24 000 Flüchtlinge über die Grenze.
Der Aufschwung setzte mit zahlreichen Hausbauten ein. Zum alten Ortskern, dem „Lapp“, der Hauptstraße und der Söllnerstraße kamen noch im 19. Jahrhundert die Marktstraße und die Kirchengasse In der Nachkriegszeit entstanden zahlreiche neue Straßenzüge, 1958 wurde das Gemeindeamt neu gebaut, 1968 wurde der neue Pfarrhof eingeweiht, 1969 entstand die neue Volks- und Hauptschule, 1971 wurde nach Erdöl gebohrt und die Ringwasserleitung gebaut, 1974 errichtete man die Leichenhalle, 1976 begann die Kanalisation und wurde mit der 1986 fertiggestellten Kläranlage abgeschlossen. Die Verkehrsinfrastruktur, die Verbindungen zu den Nachbargemeinden und die Feldwege wurden ausgebaut. In den Jahren 1994/95 wurden neben dem Ausbau der Straßen auch ein neues Siedlungsgebiet aufgeschlossen, 1998 ein Feuerwehrhaus errichtet.
Die Abgeschlossenheit gegen Ungarn endete 1990 mit der Öffnung eines Grenzüberganges für Bahn, Rad und Fußgänger. Die Bevölkerung Pamhagens sprach sich in einer Volksbefragung mehrheitlich für die Grenzöffnung aus. Eine Brücke über den Einserkanal wurde gebaut. 1992 wurde der Übergang auch für PKW geöffnet. 1987 wurde der Pamhagener Lehrer und Landesrat Hans Sipötz zum Landeshauptmann des Burgenlandes gewählt.
Die sozialökonomische Entwicklung nahm den für den Seewinkel üblichen Verlauf. Aus dem Bauerndorf wurde ein Pendlerdorf. Die Landwirtschaft orientierte sich schon früh neu. Schon 1963 begann der Anbau von Feldgemüse, zunächst Paprika und Gurken. Beregnungsanlagen wurden installiert. Es folgten Folientunnel und ab 2005/ 2006 die Errichtung von Glashäusern. Mit dem Feriendorf Pannonia und der Hotelanlage Villa Vita wurde auch der Fremdenverkehr immer wichtiger. Der Nationalpark Neusiedler See- Seewinkel trug dazu natürlich erheblich bei.
Politische Entwicklung
Von 1912 bis 1919 war Franz Fleischhacker Richter, 1919 bis 1924 Johann Fleischhacker Bürgermeister. 1923 gab es keine Wahl, da nur eine Partei, die Christlichsozialen, kandidierten, bis 1927 gefolgt von Josef Fleischhacker. Sie waren Christlichsoziale, so wie auch die folgenden Bürgermeister Josef Bauer und Georg Putsch. Die Vaterländische Front setzte Leopold Tschida ein, ab 1938 war bis 1945 Johann Graber Bürgermeister. 1945 wurde Leopold Fleischhacker, der schon 1933 Bundesrat gewesen war, Bürgermeister. Er wurde aber vom russischen Kommandanten seines Amtes enthoben und der Kommunist Leopold Mocek eingesetzt. Ab 1946 übernahm wieder die ÖVP die Ortsleitung, mit den Bürgermeistern Johann Köhlndorfer und Josef Tschida. 1958 folgte Franz Tschida von der SPÖ. 1962 bis 1977 war Stefan Deutsch von der ÖVP Bürgermeister, 1977 bis 1984 der Hauptschuldirektor Johann Sipötz von der SPÖ. Sipötz war ab 1974 bereits Landtagsabgeordneter, 1984 bis 1987 Landesrat und 1987 bis 1991 Landeshauptmann. Anschließend war er bis 2000 zweiter Landtagspräsident. In der Folgezeit wechselten ÖVP- und SPÖ – Bürgermeister einander ab.: 1884 – 1887 Johann Michlits (SPÖ), 1987 1992 Walter Payer (ÖVP), 1992 – 1997 Josef Sipötz (SPÖ), 1997 – 2002 Johann Kotzenmacher (ÖVP), ab 2002 Josef Wüger (SPÖ), dann Johann Johann Munzenrieder (SPÖ) und ab 2012 Josef Tschida, Dieser wurde 2017 mit 67,38 % und 2022 mit 56,95 % wieder gewählt. Dementsprechend schwankten auch die Mehrheiten im Gemeinderat. 1997 hatten die ÖVP 10, die SPÖ 9 und die FPÖ 2 Mandate. 2002 stand es 10: 10: 1, 2012 13 ÖVP, 8 SPÖ, 2017 13 ÖVP, 7 SPÖ, 1 FP, 2022 12 ÖVP und 9 SPÖ Mandate.
Bevölkerungsentwicklung
1833 hatte das Dorf 1443 Einwohner; im Jahr 1869: 1895; im Jahr1880: 1766 und im Jahr 1886: 1637. Der starke Rückgang war auf das Einsetzen der Amerikawanderung schon in den 1870er Jahren zurückzuführen. 1890 war die Einwohnerzahl schon wieder auf 1812 und 1910 auf 2057 Personen gestiegen, trotz der Auswanderung um die Jahrhundertwende. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte erneut eine starke Auswanderung ein, viele nach Minnesota, St. Paul. Allein 1922 wanderten etwa 200 Personen aus. Um die Jahrhundertwende gab es viele Auswanderer nach Amerika. 1923 betrug die Einwohnerzahl 1789. 1934: 2110, 1951: 2167. Seither ist die Einwohnerzahl kontinuierlich zurückgegangen: 1971: 2068; 1981: 1991. 1991: 1795, 2001: 1752. 2011 hatte das Dorf 1667 und 2022: 1547 Einwohner. Die Dorfbevölkerung war durchgehend deutsch. Erst im 18. Und 19. Jahrhundert wurden vereinzelt Knechte und Mägde ungarischer Herkunft ansässig. Im Gutshof Mexiko Puszta hingegen waren nahezu ausschließlich Madjaren beschäftigt. Es gab eine Roma- Siedlung in der „Zigeunergrube“, in der 1936 32 Personen lebten und einer mehr oder weniger regelmäßigen Arbeit nachgingen. Die Roma wurden 1939 deportiert, ihre Hütten abgerissen. Nur zwei Roma kamen als Überlebende zurück. Auffallend ist, dass aus Pamhagen keine landwirtschaftlichen Saisonarbeiter kamen. Hingegen kamen während der Erntezeit ungarische Schnitter nach Pamhagen. Am 29. Juni gab es jeweils einen großen „Schnittermarkt“, wo die Saisonarbeiter aufgedungen wurden. In der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg gingen viele Mädchen aus Pamhagen in die Schweiz, angeblich 300.
Heute ist Pamhagen so wie alle Dörfer des Seewinkels ein Pendlerdorf, mit den charakteristischen Verschiebungen in Richtung Dienstleistungssektor. Die Landwirtschaft ist noch immer bedeutend. Es gibt 46 Haupt- und 51 Nebenerwerbsbetriebe. 21 sind Biobetriebe. Nur 35 Betriebe bewirtschaften mehr als 30 ha. Die Weingartenflächen sind auf 644,9 ha angewachsen. Die Tierhaltung wurde gänzlich aufgegeben. Auffallend sind die Glashäuser, die die Folientunnel immer mehr abgelöst haben. Nichtlandwirtschaftliche Betriebe sind zumeist Einpersonenbetriebe, 39 Betriebe haben 2-4, 18 Betriebe 5-9 und nur 6 Betriebe über 20 Beschäftigte. Größter Arbeitgeber ist die Villa Vita.
Kirche und Schule
Pamhagen war schon im Mittelalter eine Pfarre. 1380 wird ein Pfarrer Johannes ecclesiae de Pomog genannt. Die mit Wallern gemeinsame Kirche stand auf dem „Mühlberg“. Während der Pandherrschaft Weispriachs und unter der Herrschaft der niederösterreichischen Kammer war Pamhagen so wie die meisten Gemeinden des Seewinkels evangelisch und hatte bis 1660 zum Teil bedeutende evangelische Pfarrer, Anlässlich einer evangelischen Visitation wurden alle Einwohner mit Ausnahme eines Fleischhackers und einiger armer Knechte und Mägde als evangelisch vermerkt. Ähnlich waren die Verhältnisse in Wallern. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Esterhazy wurde der letzte Pfarrer vertrieben und es begann die Katholisierung. Diese dürfte sich lange hingezogen haben, denn noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Pamhagener als „Neue Katholiken“ bezeichnet. 1747 wurde unter Pfarrer Praunstein die neue Kirche gebaut. Die alte Kirche wurde abgetragen und an ihrer Stelle eine esterhazysche Windmühle gebaut. Später entstand dort eine Kapelle. Der Glockenturm (Türkenturm) im Dorf bestand weiter. 1871 wurde die Kirche renoviert. Auf dem Gutshof Neu-Mexiko entstand eine eigene Kirche für die madjarischen Landarbeiter. Sie wurde 1869 als Filiale Pamhagen angeschlossen. Wallern hingegen wurde schon 1734 abgetrennt. 1953 begann man mit dem Bau der neuen Kirche. Der ältere Teil der Kirche wurde dabei renoviert und trockengelegt, der Turm teilweise abgetragen und um 10 m erhöht. Auch das Kircheninnere wurde renoviert. 1954 wurde an die Kirche ein Pfarrheim angebaut. Der Pfarrhof war 1780 in einem desolaten Zustand. 1847 wurde ein neuer Pfarrhof gebaut. 1854 übernachtete Kaiser Franz Josef anlässlich einer Hofjagd im Pfarrhof. 1966–1968 wurde ein moderner Pfarrhof gebaut.
Erster katholischer Priester nach der Vertreibung des evangelischen Pfarrers war ein Paulus Fetablanicz, ein Kroate wie auch viele seiner Nachfolger. Anlässlich einer Visitation stellte sich heraus, dass er zu viel an Abgaben und Leistungen forderte und dem Weine übermäßig zusprach. Grogorius Stanicz sprach auch gut deutsch. Johann Michael Koch, 1683 – 1686, hatte neben Pamhagen auch Wallern, Illmitz und Apetlon zu versorgen. Es folgten Petrus Michsitz, Gregorius Milkovich, Georg Peter Crepsitz, Matthias Ignatius Reisner und Gregorius Petritscovits. Längere Zeit in der Pfarre,1715 bis 1741, blieb Christoph Praunstein, ein gebürtiger Purbacher. Unter ihm wurde Wallern abgetrennt. Johannes Ring 1761 bis 1804 wurde als pflichtbewusster und eifriger Pfarrer geschildert. 1804 bis 1824 war der aus Wolfs stammende Michael Thöll Pfarrer. 1847 wurde dann der neue Pfarrhof errichtet. In der Bevölkerung beliebt war Anton Wohlmuth 1863 bis 1888. Er hatte auch Mexiko Puszta zu betreuen. 1888 bis 1919 war Alexander Bácsmegyey Pfarrer. Unter ihm wurde 1907 die Kapelle am Standort der alten Kirche errichtet. Sein Nachfolger Anton Keszler sprach kaum Deutsch, betrieb die Magyarisierung und wurde von der Bevölkerung nicht akzeptiert. Er ließ sich versetzen.
1920 bis 1938 war Josef Lang Pfarrer, zuvor Domkaplan in Ödenburg, Mitarbeiter und Schriftleiter des katholischen „Westungarischen Volksblattes“. Er war rege publizistisch tätig und politisch sehr aktiv. 1930 gründete er den „Pfarrboten“. Er wurde mit dem goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. 1932 bis 1934 war er sogar erster Obmann- Stellvertreter der Christlichsozialen Partei des Burgenlandes. Seine Predigten und Schriften waren äußerst aggressiv, gegen die Sozialisten und dann immer mehr gegen die Nationalsozialisten gerichtet, 1938 gelang ihm die Flucht nach Ungarn. Im kommunistischen Nachkriegsungarn hatte er ebenfalls kein leichtes Leben. Er wurde Pfarrer in Harkau, dessen deutsch – evangelische Bevölkerung ja 1946 nahezu vollständig vertrieben worden war. In Pamhagen folgten 1938 bis 1947 Franz Magyar und dann bis 1992 Matthias Sandhofer, unter dem die Kirche vergrößert und der Pfarrhof neu gebaut wurde. Nachfolger waren Dr. Johann Hörist und Dr. Titus Ifewulu. Unter den aus Pamhagen stammenden Geistlichen ist Dr. Franz Weninger besonders erwähnenswert. Er war Professor für Botanik und Dekan an der Universität von South Bend. Auch Prälat Msgr. Kann. Johann Haider ist Pamhagener Abstammung.
Eine Schule bestand schon in evangelischer Zeit. 1902 wurde die Gemeindeschule in eine Staatsvolksschule mit ungarischer Unterrichtssprache umgewandelt. 1752 brannte die Schule ab. 1789 errichtete die Gemeinde eine neue „Normalschule“ mitten im Dorf, neben dem Glockenturm. Sie hatte zwei Klassenzimmer und Wohnräume für den Schulmeister. Unmittelbar nach der Umwandlung in eine Staatsvolksschule errichtete der Staat ein neues modernes Schulhaus. 1906 wurde ein zweites Gebäude für einen Staatskindergarten errichtet. 1937/38 errichtete die Gemeinde ein drittes Schulgebäude mit zwei Klassenzimmern.1959 wurde der Beschluss gefasst, ein neues Schulgebäude zu errichten. Es gelang Pamhagen, auch die Hauptschule, die zunächst in Wallern vorgesehen war, zu bekommen. 1969 wurde das Gebäude für Volks- und Hauptschule eingeweiht. Seit 2025 ist sie als E-Mittschule Pamhagen Teil des Schulclusters Illmitz.


