Die Privatarmee der Batthyány

Ich habe den Text nun unter Berücksichtigung deiner Vorgaben korrigiert. Dabei wurden Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik berichtigt. Die ursprüngliche Struktur, alle Absätze und die Formatierung blieben dabei absolut unverändert.

Hier ist die korrigierte Fassung:


Was geschah mit den hohen Einkünften, die die Grundherren aus ihren Eigenwirtschaften und von den Bauern bezogen? Natürlich verschlangen die „Bauprogramme“, der Ausbau der Burgen und später, nach dem Ende der Türkenkriege, der Schlösser, Klöster, Kirchen Unsummen an Geld und enorme bäuerliche Robotleistungen. Natürlich kostete auch der „fürstliche“ Lebensstil der Esterházy und der Batthyány sehr viel. Die höchsten Ausgaben entfielen aber über nahezu zwei Jahrhunderte auf die riesigen Privatarmeen, von denen die Grundherren behaupteten, dass sie zum Schutz der Untertanen vor den Türken notwendig seien. Diese Privatarmeen fraßen über zwei Jahrhunderte die Arbeitsleistung der gesamten Bevölkerung vor allem des Südburgenlandes auf. Die Batthyány etwa hielten Mitte des 17. Jahrhunderts 2.000 bis 2.500 Mann, die sie größtenteils auf „eigene Kosten“, zum Teil auch aus staatlichen Geldern bezahlten. Eine ähnliche „Streitmacht“ leisteten sich auch die Esterházy.

Die Offiziere und Soldaten dieser Privatarmeen stammten größtenteils nicht aus dem Land. Unter ihnen waren viele vor den Türken geflüchtete ungarische und kroatische kleine und mittlere Adelige, die froh waren, Aufnahme zu finden und sich vielfach im Türkenkampf bereits bewährt hatten. Die meisten Hofsoldaten waren magyarischer Herkunft. So dienten etwa Angehörige der Familien Nicky, Kisfaludy, Fabiankovics am Batthyány-Hof. Manche bekamen auch Dörfer oder Untertanen auf Lebenszeit übertragen. Der Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zum gehobenen Hofdienst aus der eigenen Untertanenschaft war zwar möglich, kam aber nur selten vor. In der Regel waren es fremde, nicht selten entwurzelte und aus der Bahn geworfene Elemente, die hier Unterschlupf fanden. Für viele dieser am Türkenkrieg profitierenden Kleinadeligen brachen nach den Befreiungs- und Kuruzzenkriegen (in denen sie auf Seiten der Aufständischen waren) schlechte Zeiten an. Sie hatten nichts mehr „zu tun“. Im 18. Jahrhundert wurden manche Komitatsbeamte oder Kommissare (in Ungarn monopolisierte der Kleinadel die Beamtenstellen!), andere drangsalierten als Heiduckenhauptleute die arme Bevölkerung. Erst im Zuge der Neuaufstellung ungarischer Truppen fanden sie wieder eine „standesgemäße“ Betätigung (etwa im Esterházy-Bataillon).

Einer der Offiziere Batthyánys war Mózes Kisfaludy. Sein Sohn Boldizsár war einer der Anhänger Rákóczis und musste nach Frankreich emigrieren. Er schrieb über seine Familie: „Das Soldatenleben hat ihnen aber nicht viel genützt, im Gegenteil, es hat sie alle verdorben …“.

Im 19. Jahrhundert gehörten diese Kleinadelsfamilien zur herabgekommenen und verarmten Gentry, die „das einstige Ansehen und den Glanz der Familie mit Hilfe der verwandtschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten versuchten, sie waren die kleinen Beamten der staatlichen Verwaltung … Den Rang der einst dienenden Adeligen, den mit dem Namen deren Nachfahren verknüpften Ruhm von nicht selten zweifelhaftem Wert und ihr herrschaftliches Gebaren bewahrten sie aber auch noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eifersüchtig …“ Varga, a. a. O., S. 77.

Bei der bäuerlichen und bürgerlichen Bevölkerung Westungarns war dieser magyarische Kleinadel nicht sehr beliebt, früher, weil er im Dienste der Grundherren stand, später, weil er sich ihnen gegenüber immer sehr überheblich benahm, weil er Träger der Magyarisierung war, nicht zuletzt, weil er in den Bandenkämpfen auch den Anschluss des Landes verhindern wollte …

Es war natürlich für die Bauern der burgenländischen Herrschaften eine riesige Belastung, diese Soldateska zu ernähren. Zwar waren die Truppen der Grundherren etwas disziplinierter als die Söldnerhaufen dieser Zeit, Übergriffe kamen trotzdem immer vor. Ein schwieriges Problem war das der Unterbringung der Soldaten. Bauern, die Einquartierungen zu ertragen hatten, waren oft ruiniert. „Strafweise“ Einquartierung war insbesondere im Zuge der Gegenreformation üblich und der Grundherr drohte renitenten Bauern auch immer wieder damit. 1647 schrieb ein Güssinger Bediensteter Adam Batthyánys, der mit der Verteilung der Winterquartiere betraut war:

„Nach dem Befehl Eurer Gnaden habe ich sie zum Quartier eingeteilt, ich weiß aber nicht, wie es die Armen halten sollen, denn Heu gab es nicht, das wenige Nachgras ist auch dreckig, zu nichts gut, dem eigenen Vieh haben sie nichts zum Vorwerfen … Was an Hafer wuchs, essen sie anstelle von Weizen und Roggen selber, wegen der mageren Zeit, die seit drei Jahren währt, und manch einer hat keinen Bissen zu essen.“ (János J. Varga, Türkenkrieg und Kleinlandschaft II., S. 68)

Man kann sich vorstellen, was es in einer solchen Situation bedeutete, einen Soldaten oder auch nur ein Soldatenpferd zusätzlich ernähren zu müssen. Es kam auch immer wieder zu schweren Spannungen zwischen den Bauern und den Soldaten, die sich auch mit Gewalt nahmen, was sie brauchten. Zumindest die Offiziere wurden auch am herrschaftlichen Hof verpflegt. Dazu gehörten der Hauptmann, der Heiduckenhauptmann, der die Batthyányschen Heiducken von Körmend befehligte, der Leutnant und acht Fähnriche. Die höfische „familia“ des Fürsten umfasste mehrere hundert Personen, die an vierzehn „Tischen“, abgestuft nach der Rangordnung, speisten. Am „ersten Tisch“ saßen die Edelmanndiener, das heißt die ranghöchsten höfischen Würdenträger … am vierzehnten Tisch die Pferdeknechte, Kutscher, Hofmusiker und Sänger.

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