Die Nadasdy
So wie die Esterházy im Norden und die Batthyány im Süden des heutigen Burgenlandes spielten die Nádasdy im mittleren Burgenland für etwa eineinhalb Jahrhunderte eine wichtige Rolle.
Die Anfänge des Geschlechtes sind in den Petán (Pethenye) zu sehen, die in der Landschaft Petanzen im Übermurgebiet, westlich von Murska Sobota, eine Kurie bzw. ein Kastell innehatten. Die späteren Nádasdy waren ein Zweig dieser Familie. 1229 verkaufte der Comes Pethenegh einen Großteil dieses Anwesens an den Zweig der Nádasdy, die sich nach dem Ort Nádasd im Komitat Eisenburg, in der Nähe von Körmend, nannten. Diesen hatten sie 1233 erworben. Trotz eines bereits ansehnlichen Besitzes blieb die Sippe ohne ein Amt im Komitat. Nikolaus geriet 1246 in der Schlacht an der Leitha in österreichische Gefangenschaft und musste, um das Lösegeld aufzubringen, seinen Anteil an der Herrschaft in Nádasd verkaufen, ebenso sein Bruder Myke. Erst im 16. und 17. Jahrhundert stieg die Familie in die führende Elite des Königreiches auf, vor allem mit Thomas, dem „Großen Palatin“.
Durch die Heirat Thomas Nádasdys mit Ursula, der Erbtochter der Kanizsay, im Jahre 1535 wurden sie zu einem der wichtigsten Magnatengeschlechter im westungarisch-burgenländischen Raum. In vier Komitaten besaßen die Nádasdy 900 Höfe. Von den Kanizsay übernahmen sie ein sehr reiches Erbe, u. a. die Herrschaften Kanizsa, Egervár, Sárvár, Kapuvár, Lockenhaus, und übten in verschiedenen kirchlichen und weltlichen Ämtern großen Einfluss aus. Mittelpunkt des riesigen Herrschaftskomplexes wurde das Schloss in Sárvár, das im Renaissancestil umgestaltet wurde. Es war ein geistiges Zentrum mit János Sylvester, dem Übersetzer des Neuen Testaments ins Ungarische, mit dem Reformator Mátyás Biró von Déva, dem Chronisten Sebestyén Tinódi und dem Arzt Kaspar Körös von Szeged. In Sárvár wurde auch die berühmte Druckerei eingerichtet.
Thomas Nádasdy (1498–1562) war schon am Hofe Ludwigs II. als einer der königlichen Sekretäre eine bedeutende Persönlichkeit. Seine gute humanistische und juristische Bildung in Graz, Wien und Bologna sowie seine Sprachkenntnisse (neben Ungarisch sprach er Deutsch, Lateinisch und Italienisch) machten ihn dafür bestens geeignet. Nach dessen Tod bei Mohács unterstützte Nádasdy Ferdinand I. von Habsburg bei dessen Bemühungen, die ungarische Krone zu erlangen. 1527 bis 1529 war er Burggraf von Ofen und Ratgeber in der 1528 neu errichteten Ungarischen Kammer. 1529 geriet er allerdings als Burghauptmann von Ofen in türkische Gefangenschaft und wurde an Zápolya ausgeliefert. Er musste Johann Zápolya anerkennen. Als dessen Vasall verteidigte er daraufhin Ofen 1531 gegen Ferdinand. Zápolya belohnte ihn reich. Unter anderem setzte er Thomas Nádasdys Frau Ursula in Sohnesrechte ein, wodurch ihr alle Kanizsay-Güter zufielen. 1530 wurde Thomas Nádasdy Schatzmeister und Vizegouverneur Zápolyas. Thomas Nádasdy wechselte erneut die Fronten, schloss sich wieder Ferdinand an und ließ sich auch von diesem im Vertrag von Vásárhely die Besitzrechte an den Kanizsay-Gütern bestätigen. Bis 1562, seinem Tod, blieb er nunmehr auf der Seite des Habsburgers und wurde dessen wichtigster ungarischer Parteigänger. So führte er die Verhandlungen mit Johann Zápolya und dessen Sohn Johann Sigismund. Er erhielt zahlreiche bedeutende Ämter. 1536 wurde er Schatzmeister, 1537 bis 1539 war er Ban von Kroatien und Slawonien, 1542 Oberstlandesrichter und Kreisgeneral in Transdanubien. Ab 1537 war er Obergespan des Komitates Eisenburg. Dieses Amt wurde in seiner Familie „erblich“. 1554 wurde er sogar Palatin. Er setzte sich gegen seine mächtigsten Mitbewerber, Franz Batthyány und Andreas Báthory, durch. Trotz seiner Habsburgtreue nahm er aber politische Konflikte durchaus in Kauf, wenn es um die Interessen des ungarischen Adels ging. Er trat für die freie Königswahl der Stände ein und für die Besetzung des Amtes des Palatins. Er pflegte die Beziehungen zum Wiener Hof sorgfältig und kaufte ein Haus in Wien. Thomas Nádasdy war Protestant.
Thomas Nádasdy war einer der ersten Grundherren, die die Allodialwirtschaft stark ausbauten, für die Versorgung der Heere, aber auch für den Export. Auf den Meierhöfen wurde vor allem Getreide angebaut, aber auch Viehzucht betrieben. In Lockenhaus gab es ein Gestüt. Sárvár war für seinen Obst- und Gemüsebau bekannt. Die Lasten für die Untertanen wurden erhöht, sowohl die Geldzahlungen wie auch die Robotleistungen. Beachtliche Einnahmen hatte Thomas Nádasdy aus den königlichen Ämtern und aus den von ihm unterhaltenen Truppen. Es gelang auch, am Handel teilzunehmen – mit Vieh, Wein und Fischen etwa. Rinder wurden in den von den Türken besetzten Gebieten auf den großen Viehmärkten Ostungarns eingekauft und nach Westen getrieben. Nádasdy arbeitete dabei mit den Großhändlern, etwa Ofener Bürgern, zusammen. Diese Geschäfte wurden von den Servitoren Nádasdys organisiert. Zu ihnen gehörte etwa Gergely Bornemisza. Verbindungen bestanden auch zu Hans Eischer, dessen Familie aus Ofen stammte und Verbindungen zum Wiener Hof und zur Kammer hatte und an Heereslieferungen beteiligt war. Nádasdy schaltete sich auch in den Salz- und Getreidehandel ein. Der Weinhandel spielte eine wichtige Rolle. Der Wein stammte weniger aus der herrschaftlichen Eigenproduktion als aus Zehent- und Bergrechtsabgaben, aber auch Anspannweine wurden den Untertanen abgepresst.
An den Höfen der Nádasdy gab es – wie auch an den anderen Magnatenhöfen – zahlreiche „Familiares“, Mittel- und Kleinadelige, „Gefolgsleute“. Sie waren am Hof, in der Gutsverwaltung, Rechtspflege und in der Privatarmee tätig. Eine Besoldungsliste von 1558 zählt 31 Familiares mit ihren Soldaten, insgesamt 162 Personen, auf. Einige übten auch das Amt des Vizegespans aus. Manche kamen auch von auswärts und gelangten durch ihre Dienste und durch Einheiratung zu bedeutenden Besitzungen. Manche erwarben Pfandgüter, etwa Emmerich Megyery, der in den Pfandbesitz von Draßburg gelangte. Die Familiares gewährten dem Grundherrn oft auch Kredite und bekamen dafür Pfandgüter. Nach dem Übergang der Nádasdy-Güter in die Hand der Esterházy wurden die meisten der Familiares in den Kreis der Esterházy-Familiares integriert.
Sein Sohn und Nachfolger Franz II. Nádasdy (1555–1604) wurde ab 1567 als Edelknabe am Wiener Hof erzogen. Er erwarb zu Lockenhaus und Deutschkreutz noch die Herrschaft Klostermarienberg, im Tausch gegen die Herrschaft Egervár. Seine Mutter Ursula Kanizsay plante sorgfältig seine Heirat mit Elisabeth Báthory, der Nichte des siebenbürgischen Fürsten Stephan Báthory. Dieser wurde 1576 als Gemahl der Jagiellonin Anna König von Polen und Großfürst von Litauen. Sein Neffe Sigismund wurde 1588 Fürst von Siebenbürgen. 1573 wurde die Ehe zwischen der 13-jährigen Elisabeth und dem 18-jährigen Franz geschlossen. 1587 wurde Franz II. mit 32 Jahren Ungarischer Königlicher Rat und Oberstallmeister. Durch seine Beziehungen zu seinem Schwager Stephan Báthory, Fürst von Siebenbürgen und 1576 polnischer König, wurde er aber am Wiener Hof verdächtig. Seine Ernennung zum Oberhauptmann von Erlau und Neuhäusl wurde verhindert. Im „Langen Türkenkrieg“ (1591–1606) wuchs jedoch sein Einfluss und sein militärischer Ruhm. Ab 1570 nahm er aktiv an den Kämpfen gegen die Türken teil, 1598 wurde er nach dem Rücktritt Georg Zrínyis Kreisgeneral von Transdanubien. Er war einer der berühmtesten Heerführer im Kampf gegen die Türken. Diese nannten ihn ehrfurchtsvoll den „schwarzen Beg“. Er nahm die Festungen Gran, Waitzen, Raab, Stuhlweißenburg und Plintenburg (Visegrád) ein. 1588 wurde Franz II. Obergespan von Ödenburg und Oberhauptmann von Sárvár und der Burgen der Umgebung. Nach dem Fall von Raab 1594 spielte er eine entscheidende Rolle beim Ausbau der Ungarisch-Altenburgischen und Sárvárer Grenze. 1600 übernahm er das Kommando der kaiserlichen Truppen gegen die in Pápa meuternden wallonischen Söldner. Franz II. hatte großes militärisch-strategisches Talent, dazu Härte und Brutalität.
Franz II. war einer der wichtigsten Anhänger der lutherischen Lehre im ungarischen Adel. Mit seiner Unterstützung ließ sich Hans Manlius, der bedeutende Drucker lutherischer Schriften, in Deutschkreutz nieder. 1591 nahm Franz II. persönlich am berühmten Religionsgespräch von Tschapring (Csepreg) teil. Dieses brachte den endgültigen Bruch zwischen Lutheranern und Kalvinisten. Kalvinistische Pfarrer mussten die Nádasdy-Güter verlassen.
Franz II. hatte noch knapp vor seinem Tod einen Seitenwechsel zu Bocskai eingeleitet. Sein minderjähriger Sohn Paul (1598–1633) blieb von Angriffen der Aufständischen verschont. Seine Güter wurden aber von den Kaiserlichen verwüstet. Paul war der Sohn der berüchtigten Elisabeth, geborene Báthory, die geisteskrank war und zahlreiche schlimme Verbrechen begangen haben soll, sich aber als gute Verwalterin ihrer riesigen Besitzungen erwies. Beim Tod seines Vaters war Paul erst 7 Jahre alt und stand unter der Aufsicht seiner Mutter. Paul konnte den Einfluss der Nádasdy trotz einiger Würden nicht mehr im vollen Umfang bewahren. Andere aufstrebende Familien wie die Thurzó, Esterházy, Erdődy, Bánffy und Batthyány traten in den Vordergrund. Er verlor das Amt des Obergespans von Ödenburg an Franz II. Batthyány und schließlich an Nikolaus Esterházy. Zwar war er Kreisgeneral bis zu seinem Tod 1633, danach übernahmen die Batthyány auch diese Position.
Eine Schwester Pauls, Anna, heiratete Nikolaus VI. Zrínyi, den Vater des Dichters und Feldherrn Nikolaus VII., eine andere Schwester, Katharina, war mit dem Oberstlandesrichter Georg Homonnai Drugeth verheiratet. Paul heiratete in erster Ehe Barbara Cziráky, in zweiter Ehe Judit Révay.
Paul Nádasdy schloss sich 1619 dem Aufstand Bethlens an und nahm auch an den Kämpfen teil. Seine Burgen in Deutschkreutz und Tschapring wurden zerstört. Nach dem Scheitern der großen ständischen Erhebung in der Schlacht am Weißen Berg wechselte Paul Nádasdy die Seite und schloss sich den Habsburgern an. In der Folgezeit blieb er loyal und wurde in den Grafenstand erhoben. Er wurde Kreisgeneral Transdanubiens und Königlich Ungarischer Rat. Nach dem Tod von Nikolaus VI. Zrínyi leitete er ab 1627 die Grenzfestungen gegenüber Kanizsa. Anders als seine Zeitgenossen Nikolaus Esterházy und Adam Batthyány blieb Paul Nádasdy evangelisch. Er widmete sich stark der Religion und der Literatur. An der Stelle der Deutschkreutzer Burg ließ er das heute noch bestehende Renaissance-Schloss errichten.
Mit Franz III. Nádasdy (1622–1671) fand die Geschichte dieser Familie im burgenländischen Raum ihr unrühmliches Ende. Er war eine wenig sympathische, überaus ehrgeizige Persönlichkeit. In sehr jungen Jahren trat er das Erbe seines Vaters an. Mit elf Jahren war er bereits Obergespan von Eisenburg. 1644 wurde er königlicher Rat, zwei Jahre später königlicher Oberhofmeister und 1664 Landrichter des Königreiches Ungarn. 1667 wurde er nach dem Tod des Palatins Franz Wesselényi zum königlichen Statthalter ernannt und blieb dies bis zu seiner Verhaftung 1670. Er war auch Obergespan der Komitate Zala und Somogy. 1651 kaufte er die Herrschaft Seibersdorf, 1665 die Herrschaft Pottendorf. Damit wurde er auch Mitglied der niederösterreichischen Stände. Pottendorf wurde seine Hauptresidenz. Konflikte ergaben sich mit dem wesentlich jüngeren Christoph III. Batthyány, der ihm als Kreisgeneral vorgezogen wurde. Eine Verlobung von Nádasdys Tochter Christine mit Batthyány wurde gelöst. Christine heiratete schließlich 1661 Nikolaus Draskovich.
1643 war für die Nádasdy-Herrschaften ein entscheidendes Jahr. Die Mutter Franz’ III. heiratete in zweiter Ehe den katholischen Grafen Forgách und konvertierte. Diesem Beispiel folgte Franz III. Der hohe Lohn für seinen Glaubenswechsel war die Ehe mit Anna Julia, der Tochter des Palatins Nikolaus Esterházy. Er geriet in Glaubenssachen ganz in das Schlepptau seines Schwagers Paul Esterházy. In Lockenhaus und Loretto wurden große Kirchen und Klöster gebaut, in der Herrschaft Pottendorf eine Druckerei errichtet, die ganz im Dienste der Gegenreformation stand. Franz III. baute 1650 in Seibersdorf und 1660 in Pottendorf neue Residenzen.
Wie vor allem neuere Forschungen ergaben, war Franz III. Nádasdy ein bedeutender Kunstmäzen. Er hatte eine große Sammlung von Porträts, nicht nur von Familienangehörigen, sondern auch von ungarischen Würdenträgern. Diese Porträtsammlung gelangte später in den Besitz der Esterházy. Franz III. beschäftigte Hofmaler, etwa Benjamin Block. Auch bedeutende Wiener Maler arbeiteten für ihn, etwa der Flame Jan Thomas, ein Rubens-Schüler. Als Hofgoldschmied beschäftigte er den Augsburger Philipp Jakob Drentwett.
Sein grenzenloser Ehrgeiz führte Franz III. schließlich ins Verderben. Er schloss sich der Magnatenverschwörung an und wurde 1671 in Wien enthauptet. Seine Güter wurden konfisziert und einige Jahre später den Esterházy übertragen.
Schon bald nach der Verhandlung gegen Franz III. Nádasdy wurde eine Inventarisierung der Nádasdy-Güter vorgenommen. Damit beauftragt wurde die Hofkammer; der ungarische Kammerpräsident Stefan Zichy entsandte Beamte, darunter den Ödenburger Dreißiger Peter Tallián, und ein Vertreter des Eisenburger Domkapitels fungierte als Zeuge. Eine Begleitmannschaft aus 20 Reitern wurde beigegeben. Die leitenden Beamten der Nádasdy-Güter blieben im Dienst bzw. wurden in den Dienst der Hofkammer übernommen. Nur Pottendorf und Hornstein erhielten einen Administrator. Erst nach der Verhängung des Schuldspruches wurden die Güter endgültig enteignet. Eine „Beschreibungs- und Taxierungskommission“ wurde eingesetzt, die den Wert der enteigneten Güter schätzte. Der Großteil der Güter wurde noch in den 1670er- und 1680er-Jahren verkauft oder verpfändet, da die Gelder dringend benötigt wurden. Das Jahreseinkommen aller Herrschaften der Nádasdy wurde mit 75.743 Gulden berechnet; nach Tobler (Die Konfiskation der Nádasdy-Güter. In: Die Familie Nádasdy, S. 415–434) betrug es etwa 80.000 Gulden. Der Wert der Güter lag nach Tobler bei eineinhalb Millionen Gulden. Von den Vermögenswerten mussten aber Schulden in der Höhe von etwa 250.000 Gulden bezahlt werden. Die Rückzahlung der Schulden durch die Hofkammer zog sich noch über ein Jahrzehnt hin. Die Mobilien, vor allem die Gegenstände aus den Schatzkammern in Sárvár (Wert etwa 90.000 Gulden) und Pottendorf (8.000 Gulden), wurden nach Wien gebracht und verkauft.
Die minderjährigen Söhne Franz’ III. Nádasdy erhielten jährlich 8.000 Gulden. 1677 wurde allen fünf Söhnen eine Abfertigung in der Höhe von 15.000 Gulden, den drei ledigen Töchtern eine von 10.000 Gulden zugestanden. Die Forderungen von zwei der drei verheirateten Töchter wurden teilweise erfüllt.
Die Herrschaften Deutschkreutz, Lockenhaus und Klostermarienberg gelangten in den Besitz des Grafen Nikolaus Draskovich. Damit löste die Hofkammer die an Draskovich verpfändete Herrschaft Ungarisch-Altenburg aus. Schließlich wurden die drei Herrschaften um 205.000 Gulden an Paul Esterházy verkauft. Die Herrschaft Sárvár erwarb 1677 Graf Nikolaus Draskovich um 326.520 Gulden, Kapuvár ging 1689 um 155.000 Gulden an Paul Esterházy. Hornstein wurde zunächst verpfändet und 1702 um 265.000 Gulden ebenfalls von Esterházy gekauft. Pottendorf ging an die Grafen Starhemberg.
Mit der Hinrichtung Franz’ III. Nádasdy war die Bedeutung der Familie zwar geschmälert, aber keineswegs beendet. Aus seiner Ehe mit Anna Esterházy stammten 13 Kinder. Zwei der Töchter heirateten Grafen Draskovich, eine einen Grafen Pálffy. Sohn Ladislaus wurde Geistlicher, der jüngste Sohn Thomas heiratete eine Draskovich. Er war Obergespan von Sümeg und Kronhüter. Sohn Stephan war mit einer Thököly verheiratet. Deren jüngere Schwester Eva war die zweite Gemahlin von Palatin Paul Esterházy, ihr Bruder Emmerich Thököly war Fürst von Siebenbürgen. Franz IV. Nádasdy war mit Katharina, der Tochter des Grafen Széchy, Obergespan von Eisenburg, verheiratet. Deren Mutter war eine Tochter Adam Batthyánys. In zweiter Ehe war Franz IV. mit Margarethe, einer Gräfin Herberstein, verheiratet, in dritter Ehe mit Rosalia Rebecca Gräfin Schrattenbach. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten die Nádasdy wieder zu den vornehmsten und reichsten Familien Ungarns.
Die Nádasdy als Förderer des Protestantismus und die Konversion Franz’ III. zum Katholizismus
Von den 1530er-Jahren an hielten sich bedeutende Vertreter der Reformation am Nádasdy-Hof in Deutschkreutz und in Sárvár auf, unter ihnen János Sylvester und Mátyás Dévai Biró. Sylvester leitete die von Thomas Nádasdy gegründete Druckerei in Sárvár. Dort wurde 1541 das von Sylvester ins Ungarische übersetzte Neue Testament gedruckt. Sylvester wurde von Melanchthon an Nádasdy empfohlen. Thomas Nádasdy behauptete allerdings, kein „Lutheraner“ zu sein, war aber sichtlich mit den Zuständen in der katholischen Kirche unzufrieden. Gegen Ende seines Lebens war er wohl Protestant.
1557 bestand in Deutschkreutz wahrscheinlich schon eine evangelische Gemeinde. 1559 hielt sich einer der führenden evangelischen Prediger, Stephan Consul, in Deutschkreutz auf („Caplan zu Creutz“). Um 1560 war der größte Teil der Pfarren Nádasdys mit evangelischen Predigern besetzt. 1585 leitete der evangelische Theologe Nikolaus Gabelmann die Schule in Tschapring. Für die Nádasdy-Herrschaften bestand bereits ein Seniorat. In Deutschkreutz wirkten Christoph Zaperinus, dann Emmerich Zvonarich als Schulleiter. In der Dika-Konskription wurden evangelische Prediger erwähnt in Deutschkreutz, Steinberg, Neckenmarkt, Neutal, Draßmarkt, Unterrabnitz und Mitterpullendorf.
Franz II. Nádasdy wurde von evangelischen Lehrern erzogen und bekannte sich offen zum Protestantismus. 1576 fand eine Synode statt, die den Kirchendistrikt Ödenburg-Eisenburg schuf. Erster Bischof wurde Mátyás Szegedi, Prediger in Sárvár. Von der 1579 von Bischof Georg Draskovich in Steinamanger einberufenen Synode blieben die Pfarrer der Nádasdy-Herrschaften mit wenigen Ausnahmen fern. 1591 fanden die Religionsgespräche von Tschapring statt. Franz II. Nádasdy war persönlich anwesend. Sprecher der Lutheraner war Gregor Horvath Stansic aus Nikitsch. Anwesend waren auch Stefan Thesmar aus Deutschkreutz, Gregor Pythiraeus aus Steinberg. Beythe wurde von Caspar Dragonus, damals Prediger der Kroaten und Ungarn in Rechnitz, begleitet. Die Gespräche führten zum Bruch zwischen Lutheranern und Kalvinisten. Die Lutheraner arbeiteten eine Bekenntnisformel aus, die 1595 auf der Synode von Meszlen angenommen wurde. An weiteren von Beythe geplanten Einigungsgesprächen nahmen die Lutheraner nicht mehr teil. Franz II. schloss sich der lutherischen Partei an. Er unterstützte die Veröffentlichung lutherischer Streitschriften wie die Werke von Stephan Magyary, Péter Bornemisza und Michael Zvonarics. Elisabeth Báthory, die Witwe Franz’ II., hat die evangelischen Pfarrer weiterhin unterstützt und Stipendien vergeben. Die endgültige Trennung von Lutheranern und Kalvinisten fand aber erst 1613 nach dem Tod des Superintendenten Stephan Beythe statt, der noch von beiden Seiten anerkannt wurde. Die Concordie von Meszlen betonte stark die lutherische Abendmahlslehre. Auf sie wurden ab 1596 alle evangelischen Pfarrer in den Komitaten Ödenburg, Eisenburg und Zala verpflichtet. Sie wurde von 662 lutherischen Predigern unterschrieben.
Paul Nádasdy unterstützte lutherische Theologen wie Emmerich Zvonarics, Benedikt Nagy, Stephan Lethenyei, dessen Studium in Wittenberg von ihm bezahlt wurde. Lethenyei wurde später Prediger in Tschapring. Die Druckereien des Hans Manlius in Deutschkreutz und Tschapring druckten lutherische Schriften. Das erste gedruckte Werk war eine evangelische Gottesdienstordnung. Die 1612 gedruckte zweite Auflage nennt als Autoren den Senior Johannes Reczés, Georg Tokovich, Leonhard Widos und Stephan Klazekovits. Paul selbst schrieb ein evangelisches Gebetbuch. Gedruckt wurde etwa auch die Schrift des Andreas Osiander, die Michael Zvonarich ins Ungarische übersetzte. Auch der Nachfolger von Hans Manlius, Emmerich Farkas, der in Deutschkreutz und Tschapring druckte, setzte die Publikation theologischer Werke fort. Erwähnt seien die beiden Gesangbücher, die Gregor Pythiraeus herausgab. Zvonarich übersetzte die 1600 erschienene Glaubenslehre des Tübinger Professors Matthias Hafenreffer ins Ungarische. In einer umfangreichen Streitschrift griff Zvonarich die Katholisierungsmethoden des Péter Pázmány an. In kroatischer Sprache wurden 1609 und 1611 die beiden Liederbücher des Grgur Mecinic, genannt Pythiraeus, gedruckt, mit 68 Liedern. Umstritten bzw. nicht zu beantworten ist die Frage, wie weit und wie nachhaltig der evangelische Einfluss auf die Kroaten wirkte. Die Gegenreformation fand jedenfalls bei ihnen weniger Widerstand als bei den Deutschen. Man findet jedenfalls eine bedeutende Zahl von evangelischen Predigern mit kroatischem Namen, die die Concordie von Meszlen unterschrieben. Dazu gehört etwa Georg Muraközy, 1586 in Mitterpullendorf Prediger des Franz Dersffy, Stephan Kalemisovich, Gregor Mekinich (Steinberg, Deutschkreutz), Michael Zvonarich, Matthias Podrianits, Georg Blasievich Dalmata, Thomas Gulbanotzi aus Unterpullendorf (1651–1654 in Schandorf). Weitere evangelische Prediger waren Georg Tokovits, Stephan Klaszekovics, der 1614 erster evangelischer Superintendent wurde. Michael Zvonarich war zunächst Schulleiter in Deutschkreutz, ab 1605 in Sárvár tätig. Er wurde Senior und 1614 bis 1625 Superintendent. Emmerich Zvonarich war Pfarrer in Tschapring.
Pauls Witwe Judit Révay stammte aus einer betont evangelischen Familie, geriet aber immer stärker unter den Einfluss von Nikolaus Esterházy. Sie trat 1638 zum katholischen Glauben über und heiratete den katholischen Grafen Adam Forgách. Ihre Konversion löste in Deutschkreutz und Sárvár heftige Reaktionen aus. Es kam zu Brandstiftungen.
Franz III. Nádasdy blieb zunächst noch evangelisch. Vor der Trauung mit Esterházys Tochter Anna Julia trat er jedoch 1643 in Tschapring zum katholischen Glauben über. Die sofortige Entlassung aller evangelischen Pfarrer und Lehrer war die Folge. Es wurden nun katholische Pfarrer eingestellt, darunter viele Pauliner und Augustinereremiten. Die Bewohner seiner Herrschaften mussten katholisch werden oder die Herrschaft verlassen. Stephan Lethenyei wurde Prediger in Güns. Bischof Musai zog sich nach Nemeskér zurück. 1655 stiftete Nádasdy in Lockenhaus die prächtige Kirche und das Augustinerkloster. Die Kirche und das Kloster in Loretto wurden mit reichen Stiftungen ausgestattet. Seine Konversion brachte ihm neue Ämter ein. 1655 wurde er Landesrichter. In seiner Druckerei erschienen nur mehr katholische Schriften. Von seinen Kindern traten Nikolaus und Ladislaus in den Paulinerorden ein und wurden später Bischöfe, die Töchter Julianna und Marianna wurden Ursulinerinnen. 1665 reiste Franz III. nach Rom und bekam bei Papst Alexander VII. eine Audienz.
In der Folgezeit wurden in den regelmäßigen Visitationen vereinzelt noch Evangelische festgestellt, etwa 1647 in Frankenau und Strebersdorf; in Großmutschen waren noch drei Adelige lutherisch. In Steinberg hielt sich sogar noch ein Prädikant auf. Nur mehr wenige Evangelische gab es in Klostermarienberg und Nikitsch. Die Visitation vier Jahre später vermerkte in Tschapring noch viele „Akatholische“, in Strebersdorf war die Mehrheit katholisch. Evangelische gab es auch noch in Steinberg und Deutschkreutz. 1663 wurden die Steinberger noch immer als „kühl“ im Glauben genannt, „Akatholiken“ gab es noch in Deutschkreutz. Bis gegen 1660/1665 gab es also noch einigen Widerstand gegen die Katholisierung, der aber immer schwächer wurde. In den Nádasdy-Herrschaften konnte sich schließlich nur eine Gruppe Evangelischer in Oberloisdorf bis in die Gegenwart halten.

