Die Grenzziehung
Bei der endgültigen Festlegung der Grenze fanden die Forderungen der Großgrundbesitzer weitgehend Berücksichtigung. Sie wollten ihren Besitz möglichst ungeteilt bei Ungarn halten. Das betraf etwa die Güter des Fürsten Ladislaus Batthyány-Strattmann bei Kittsee, den Zeiselhof, der dem Fürsten Elemér Lónyay und seiner Frau, der Prinzessin Stefanie von Belgien, gehörte, die Meierhöfe des Erzherzogs Friedrich bei Nickelsdorf, Halbturn und Andau und den Besitz des Fürsten Paul Esterházy im Raume Tadten, Pamhagen und Apetlon. Kroatische Dörfer konnten auf deren ausdrücklichen Wunsch an Ungarn fallen: 20 blieben bei Ungarn, 16 kamen an Österreich. Verkehrsverbindungen sollten nicht unterbrochen werden. So blieb wegen der Verbindungsstraße Engerau – Kittsee – Pama – Parndorf ein Teil des Meierhofes Zeiselhof bei Österreich, ebenso ein Teil des Kleylehofes und der Saidahof. Albert-Kasimir (Albertkázmérpuszta) hingegen, östlich von Halbturn, musste an Ungarn übergeben werden, ebenso Rohrer-Föld (Lehndorf) bei Andau. Um die Gemeinde Pamhagen, in der zahlreiche ungarische Landarbeiter wohnten, wurde heftig gerungen. Am 21.10.1922 entschied die Botschafterkonferenz in Genf zugunsten Österreichs.
Vor der Abstimmung von Ödenburg versuchte Ungarn vergeblich, die kroatischen Gemeinden Klingenbach, Zagersdorf und Siegendorf in das Abstimmungsgebiet einzubeziehen. Im Bereich des mittleren Burgenlandes beanspruchten die Ungarn Deutschkreutz und alle kroatischen und die beiden ungarischen Gemeinden, also etwa die Hälfte des späteren Oberpullendorfer Bezirkes und das Ritzinger Braunkohlenrevier. Im Umland von Güns beanspruchten die Ungarn Lockenhaus, Hammer, Rattersdorf und Liebing. Dafür setzten sich vor allem die Bediensteten der Esterházy-Forstverwaltung ein. Rattersdorf und Liebing wurden tatsächlich Ungarn zugesprochen, wogegen sich die Bevölkerung jedoch wehrte. Die kroatische Gemeinde Bleigraben (Ólmod) und Prostrum (Szentpéterfa) konnten hingegen bei Ungarn bleiben.
Im Süden verlangte Ungarn die Gemeinden Rechnitz, Schandorf, Schachendorf und Eisenberg. Sie blieben aber alle auf österreichischer Seite. Besonders heftig wurde um die Gemeinden des unteren Pinkatales gerungen, mit Ausnahme von Allerheiligen (Pinkamindszent) durchwegs deutsche und kroatische Dörfer. Gefordert wurde von Ungarn auch die Sprachinsel von Oberwart, Unterwart und Siget in der Wart und das deutsche Rotenturm, wo der Freischärlerführer Thomas Erdődy seinen Sitz hatte, Großpetersdorf und Neuhodis. Ursprünglich wurden alle Gemeinden des unteren Pinkatales Österreich zugesprochen. Auf ungarischen Antrag sollten die Kroatendörfer Schachendorf, Schandorf, Narda (Klein- und Großnahring), Csatár (Ober- und Unterschilding), Horvátlövő (Kroatisch Schützen) und Prostrum (Szentpéterfa) zu Ungarn kommen. Sie setzten diese Ansprüche weitgehend durch. Die deutschen Dörfer außer Großdorf (Vaskeresztes), Pernau (Pornóapáti), Ober- und Unterbildein sollten an Österreich fallen. Österreich war damit nicht einverstanden und forderte alle deutschen Dörfer und das deutsche Luising. Im Jahre 1923 kam Luising als letztes Dorf an Österreich. Am 19.09.1922 wurde in Genf entschieden, dass Schachendorf, Schandorf, Deutsch Schützen, Ober- und Unterbildein, Moschendorf und Luising zu Österreich kommen, die deutschen Dörfer Großdorf und Pernau hingegen bei Ungarn blieben. Schachendorf und Schandorf kamen gegen den Willen der Bewohner zu Österreich, um die Bahnlinie Rechnitz – Großpetersdorf nicht zu unterbrechen.
An der jugoslawischen Grenze konnten die Orte Ainnersdorf, Guizenhof und Füxling nicht für Österreich gewonnen werden. Am 30.09.1922 räumten die jugoslawischen Truppen aber Krottendorf, Kalch und Bonisdorf.

